Der Satz von Liouville

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Lösung der Differenzialgleichung

x¯˙:=Ax¯=JH¯,x


x¯(t,t0,x¯0)=:Φ¯t,t0(x¯0)

Definition: Fluß im Phasenraum

to und xo beschreibt die Anfangskonfiguration und Phi den Fluß.

Der Fluß beschreibt dabei die Zeitentwicklung der Anfangskonfiguration:


Φ¯t,t0(x¯0):Γ→Γx¯0(t0)→x¯(t)


Dies entspricht einer Kurvenschar, die durch die Zeit parametrisiert ist:

Beispiel: eindimensionaler harmonischer Oszi:


(q,p)∈Γq˙=pp˙=−ω02qx¯˙=Ax¯A=(01−ω020)


Die Lösung lautet:


x¯(t)=Φ¯t−t0(x¯0)=exp⁡[(t−t0)A]x¯0


Dies ist also gerade das Exponenzial der Matrix.

Aufschluss liefert eine Reihenentwicklung:


x¯(t)=∑n[(t−t0)A]nn!x¯0=[1cos⁡ω0(t−t0)+Aω0sin⁡ω0(t−t0)]x¯0=(cos⁡ω0(t−t0)1ω0sin⁡ω0(t−t0)−ω0sin⁡ω0(t−t0)cos⁡ω0(t−t0))x¯0


Beweis:


A2=(01−ω020)(01−ω020)=−ω021A2n=(−1)2nω02n1A2n+1=(−1)nω02n+11ω0A


Als Ergebnis erhalten wir, dass alle Phasenpunkte mit gleicher, konstanter Winkelgeschwindigkeit wo, rotieren: Ein Ensemble von Anfangskonfigurationen Uto läuft zum Zeitpunkt Ut insbesondere nicht auseinander.

Das bedeutet, das Gebiet Uto wandert ohne Änderung der Form und Orientierung um den Nullpunkt:

Man erhält als markantes Ergebnis, dass das Phasenvolumen bei der Zeitentwicklung erhalten ist. Im Allgemeinen ändert sich zwar die Form, stets gilt jedoch der Liouvillesche Satz:

Bei der Hamiltonschen Zeitentwicklung ist das Phasenvolumen erhalten (auch seine Orientierung). Der Fluß im Phasenraum ist also divergenzfrei.

Beweis (integrale Form):

Gegeben sei eine Menge von Anfangskonfigurationen (to), die das Phasenraumgebiet Uto mit dem Volumen Vto ausfüllen:


Vto=∫Utod2fx0

Bei t:

Vt=∫Utd2fx0=∫Ut0d2fx0det⁡(∂x∂x0)=∫Ut0d2fx0det⁡(DΦt,t0(x¯0))


Mit der Jacobi- Matrix:


(DΦt,t0(x¯0))ik:=∂Φit,t0(x¯0)∂x0k=∂xi∂x0k


Dies kann für Zeiten nahe t0 reihenentwickelt werden:


Φt,t0(x¯0)=x¯0+F¯(x¯0,t)(t−t0)+O((t−t0)2)F¯(x¯0,t)=JH¯,x=(∂H∂p−∂H∂q)


Somit folgt:


∂Φit,t0(x¯0)∂x0k=δik+∂F¯i(x¯0,t)∂x0k(t−t0)+O((t−t0)2)


Mit Hilfe

det⁡(1+Bε)=1+εtr(B)+O(ε2)

folgt:


det⁡(DΦt,t0)=|∂Φit,t0(x¯0)∂x0k|=1+(t−t0)∑i=12f∂F¯i(x¯0,t)∂x0i(t−t0)+O((t−t0)2)∑i=12f∂F¯i(x¯0,t)∂x0i=divF¯=∂∂q∂H∂p−∂∂p∂H∂q=0


Der Fluß im Phasenraum ist also divergenzfrei. Dann folgt jedoch für die Jacobideterminante:


det⁡(DΦt,t0)=|∂Φit,t0(x¯0)∂x0k|=1+O((t−t0)2)≅1


⇒Vt=∫Ut0d2fx0det⁡(DΦt,t0(x¯0))=∫Ut0d2fx0(1+O(t−t0)2)≅Vt0


Nebenbemerkung:

Der Satz von Liouville kann auch in der LOKALEN Form formuliert werden:

Für den Fluß

Φt,t0 zu x¯˙:=JH¯,x ist DΦt,t0

eine symplektische Matrix, das heißt

det⁡(DΦt,t0)=1.


Das bedeutet, das Volumenelement

dx1...dx2f

im Phasenraum ist unter dem Fluß invariant:


dx1...dx2f=Det(DΦ)dx01....dx02f=dx01....dx02f


Whoa, things just got a whole lot eiaser.