Drehimpuls- Eigenzustände

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Drehimpulsoperator:L¯̂=r¯̂×p¯̂

In Komponenten:L̂j=εjklr̂kp̂l

L¯̂=r¯̂×p¯̂

ist hermitesch:L̂j+=εjkl(r̂kp̂l)+=εjklp̂l+r̂k+=εjklp̂lr̂k=εjklr̂kp̂l

Vertauschungs- Relationen:

[L̂1,L̂2]=[(r̂2p̂3−r̂3p̂2),(r̂3p̂1−r̂1p̂3)]=r̂2p̂3r̂3p̂1−r̂2p̂3r̂1p̂3−r̂3p̂2r̂3p̂1+r̂3p̂2r̂1p̂3−r̂3p̂1r̂2p̂3+r̂3p̂1r̂3p̂2+r̂1p̂3r̂2p̂3−r̂1p̂3r̂3p̂2=r̂2p̂3r̂3p̂1−r̂1p̂3r̂3p̂2+r̂3p̂2r̂1p̂3−r̂3p̂1r̂2p̂3=r̂2p̂3r̂3p̂1−r̂2r̂3p̂3p̂1+r̂1r̂3p̂3p̂2−r̂1p̂3r̂3p̂2=r̂2[p̂3,r̂3]p̂1+r̂1[r̂3,p̂3]p̂2=ℏir̂2p̂1−ℏir̂1p̂2=iℏL̂3


Allgemein: [L̂j,L̂k]=iℏL̂l

mit (jkl) zyklischL̂1L̂2−L̂2L̂1=iℏL̂3L̂2L̂3−L̂3L̂2=iℏL̂1L̂3L̂1−L̂1L̂3=iℏL̂2→L̂×L̂=iℏL̂

Schreibt man dies mit dem Epsilon- Tensor, so gilt einfacher:[L̂j,L̂k]=iℏL̂l

mit (jkl) zyklisch⇒εjklL̂jL̂k=iℏL̂l⇒(L̂×L̂)l=iℏL̂l⇒L̂×L̂=iℏL̂

Wegen [L̂j,L̂k]=iℏL̂l

also kann es keine gemeinsamen Eigenvektoren zu je zwei Drehimpulskomponenten geben.

Aber:[L̂2,L̂k]=0

für k = 1,2,3

Beweis: Übung

Merke:[L̂2,L̂k]=[L̂12+L̂22+L̂32,L̂k][L̂12,L̂k]=L̂1[L̂1,L̂k]+[L̂1,L̂k]L̂1‴

Es gibt also gemeinsame Eigenvektoren zu EINEM Lk, konventionshalber L̂3

und L̂2 .


Definition von Leiteroperatoren (vergl. harmonischer Oszi):L̂+:=L̂1+iL̂2L̂−:=L̂1−iL̂2‴

nicht hermitesch

Es gilt vielmehr:(L̂+)+=L̂−(L̂−)+=L̂+

Vertauschungsrelationen[L̂+,L̂3]‴=[L̂1,L̂3]+i[L̂2,L̂3]=−iℏL̂2−ℏL̂1=−ℏ(L̂1+iL̂2)

[L̂+,L̂3]=−ℏL̂+[L̂−,L̂3]=ℏL̂−

L+- Form und adjungierte Form.

Auch dies kann verallgemeinert werden:[(L̂+)n,L̂3]=−nℏ(L̂+)n[(L̂−)n,L̂3]=nℏ(L̂−)n

Beweis: Durch vollständige Induktion:

Für n = 1 gezeigt. Sei es nun richtig für ein n größer/gleich 1

Dann:[(L̂+)n+1,L̂3]=(L̂+)n[(L̂+),L̂3]+[(L̂+)n,L̂3](L̂+)=(L̂+)n(−ℏ(L̂+))−nℏ(L̂+)nL̂+=−(n+1)ℏ(L̂+)n+1

Weiter gilt:L̂+L̂−=(L̂1+iL̂2)(L̂1−iL̂2)=L̂12+L̂22−i[L̂1,L̂2]=L̂2−L̂32+ℏL̂3L̂−L̂+=L̂12+L̂22+i[L̂1,L̂2]=L̂2−L̂32−ℏL̂3→[L̂+,L̂−]=2ℏL̂3[L̂2,L̂+]=0[L̂2,L̂−]=0‴

Mittels L̂+,L̂−

gelingt die Zerlegung von L̂2

in mitL̂2

vertauschbare Operatoren L̂3,L̂+,L̂−

L̂2=L̂12+L̂22+L̂32=L̂32+L̂+L̂−−ℏL̂3

Warum ?

Nun:

Wir suchen einen vollständigen Satz von vertauschbaren. Observablen (nötig für Quantisierung → Quantisierungsbedingung entspricht Kommutatoren, wir brauchen aber möglichst viele Größen, deren Kommutator verschwindet.). Ziel: Maximalmessung ermöglichen!

Aber: L̂1,L̂2

scheiden aus. Mittels L̂+,L̂−

bekommt man dagegen dann einen Ersatz für L̂1,L̂2 ,

der mit L̂2

vertauscht. Man hat also wieder einen vollständigen Satz von Observablen)(hinsichtlich des Drehimpulsproblems) (3 Stück, entsprechend der drei nötigen Angaben für die drei Komponenten des Drehimpulsvektors! im Dreidimensionalen. Diesmal vertauscht jedoch alles!

Allerdings sind L̂+,L̂−

keine Observablen, sondern die Erzeugenden für höhere Drehimpulszustände.

Die möglichen Observablen sind L̂2

und L̂3 ,

wobei die Komponente selbst willkürlich ist. Hier wählen wir die dritte aus.

Wir können das System also über zwei Quantenzahlen charakterisieren!

Eigenwerte und Eigenzustände

Die gemeinsamen normierten Eigenvektoren |a,b⟩

von L̂2

und L̂3

gehorchen den EigenwertgleichungenL̂2|a,b⟩=a|a,b⟩

L̂3|a,b⟩=b|a,b⟩

Prinzipiell: Für alle Observablen müssen wir Quantenzahlen einführen. Zum formalen Vorgehen schreibt man diese Quantenzahlen einfach in einen Zustandsvektor. Diese Quantenzahlen sind Eigenwerte der Observablen, also mögliche Messwerte. Unser formaler Zustand aus Quantenzahlen ist per Definition ein Eigenvektor zu diesen Quantenzahlen.

Dann muss man nur noch Bedingungen finden, die aus der Eigenwertgleichung Information liefern, die herangezogen werden kann, um die Quantenzahlen einzuschränken bzw. zu bestimmen.

Bei uns gilt:

Da L̂

hermitesch ist, gilt:a=⟨a,b|L̂2|a,b⟩=∑i=13⟨a,b|L̂i+L̂i|a,b⟩⟨a,b|L̂i+L̂i|a,b⟩:=⟨Φ|Φ⟩≥0a=⟨a,b|L̂2|a,b⟩=∑i=13⟨a,b|L̂i+L̂i|a,b⟩≥⟨a,b|L̂32|a,b⟩≥0⟨a,b|L̂32|a,b⟩=b2→a≥b2≥0

Weiter gilt:L̂±|a,b⟩

sind auch Eigenzustände zu L̂2

undL̂3

Vorsicht:|a,b⟩

sind keine Eigenzustände zu L̂±

aber L̂±|a,b⟩

sind Eigenzustände zu L̂2

undL̂3

Beweis:L̂2L̂±|a,b⟩=L̂±L̂2|a,b⟩=aL̂±|a,b⟩L̂3L̂±|a,b⟩=(L̂±L̂3−[L̂±,L̂3])|a,b⟩[L̂±,L̂3]=∓ℏL̂±→(L̂±L̂3−[L̂±,L̂3])|a,b⟩=L̂±(L̂3±ℏ)|a,b⟩=L̂±(b±ℏ)|a,b⟩

Also:L̂3L̂±|a,b⟩=(b±ℏ)L̂±|a,b⟩

Das bedeutet:L̂±

erhöhen/ erniedrigen den Eigenwert von L̂3

um ℏ .


→ wir bekommen hier Informationen, indem wir Produkte aus Operatoren auf unsere formalen Eigenzustände wirken lassen. Dieses Vorgehen ist sehr typisch, kann man sich mal merken!

Die n- bzw. m- malige Anwendung bei festem b0

liefert:L̂3(L̂+)n|a,b0⟩=(b0+nℏ)(L̂+)n|a,b0⟩L̂3(L̂−)m|a,b0⟩=(b0−mℏ)(L̂−)m|a,b0⟩

Das Spektrum von L̂3

ist nach oben und nach unten beschränkt:a=⟨a,b|L̂2|a,b⟩=∑i=13⟨a,b|L̂i+L̂i|a,b⟩⟨a,b|L̂i+L̂i|a,b⟩:=⟨Φ|Φ⟩≥0a=⟨a,b|L̂2|a,b⟩=∑i=13⟨a,b|L̂i+L̂i|a,b⟩≥⟨a,b|L̂32|a,b⟩≥0⟨a,b|L̂32|a,b⟩=b2→a≥b≥−a

Also existiert ein größter Eigenwert bmax=b0+nmaxℏ

und ein kleinster Eigenwert bmin=b0−mmaxℏ

mit L̂+|a,bmax⟩=L̂−|a,bmin⟩=0

Daraus folgt:0=L̂−L̂+|a,bmax⟩=(L̂2−L̂32−ℏL̂3)|a,bmax⟩=(a−bmax2−ℏbmax)|a,bmax⟩0=L̂+L̂−|a,bmin⟩=(L̂2−L̂32+ℏL̂3)|a,bmin⟩=(a−bmin2+ℏbmin)|a,bmin⟩

Also:a=bmax2+ℏbmax=bmin2−ℏbmin

Andererseits existiert ein n∈N0

mit |a,bmax⟩=(L̂+)n|a,bmin⟩

Also: bmax=bmin+nℏ

Setzt man dies in a=bmax2+ℏbmax=bmin2−ℏbmin

ein, so folgt:bmin2+2nℏbmin+n2ℏ2+ℏ(bmin+nℏ)=bmin2−ℏbmin2nℏbmin+n2ℏ2+ℏ(2bmin+nℏ)=0⇒bmin=−n(n+1)ℏ22(n+1)ℏ=−n2ℏ=:−lℏ

mit l:=n2

Somit:a=bmin(bmin−ℏ)=(−l)(−l−1)ℏ2a=l(l+1)ℏ2bmax=bmin+2lℏ=lℏ

Mögliche Eigenwerte von L̂2

a=l(l+1)ℏ2

<‴/u>n∈N⇒l=0,12,1,32,...

Mögliche Eigenwerte von L̂3

für festes l:b=mℏ

mit m=−l,−l+1,−l+2,...,l−2,l−1,l

m=-l → gehört zu bmin

m=+l → gehört zu b max

Es können keine weiteren Eigenwerte von L̂3

zwischen diesen Werten liegen, weil man sonst durch wiederholte Anwendung von L̂+

bzw.L̂−

die Schranken |m|≤l

verletzen könnte.

Zu jedem l gibt es 2l+1

Werte von m:

Dies entspricht der energetisch gleichen 2l+1

- fachen Richtungsentartung von L̂2

welche von außen, z.B. durch Magnetfelder, aufgehoben werden kann.

Die Tatsache, dass L̂+

bzw.L̂−

den Drehimpulseigenzustand jeweils exakt um ℏ

erhöhen bzw. erniedrigen, ist also eine Konsequenz aus dem Kommutator [L̂j,L̂k]=iℏL̂l ,

besser, wegen dem zyklischen Anspruch an j,k,l:[L̂j,L̂k]=iℏεjklL̂l

.

Der wurde nämlich oben mit eingesetzt um die Eigenwertprobleme zu bestimmen. (siehe oben).

Also bedingt der Kommutator [L̂j,L̂k]=iℏεjklL̂l

die Drehimpulsquantisierung.

Tabelle:

Quanten- zahlen Eigenwert von L̂‴ Richtungsquantenzahl m l ℏl(l+1) m 0 0 0

12

ℏ34 −12,+12

1 ℏ2 −1,0,1

32

ℏ154 −32,−12,12,32

L̂2|l,m⟩=ℏ2l(l+1)|l,m⟩L̂3|l,m⟩=ℏm|l,m⟩

Diracsches Vektormodell:

Darstellung der Richtungsquantisierung:

m=1/2 → Der Drehimpuls steht parallel zur x3- Achse

m=-1/2 → der Drehimpuls steht antiparallel zur x3- Achse

Zur Übung ist zu zeigen:⟨l,m|L̂i|l,m⟩=0

für i=1,2⟨l,m|(L̂i−⟨L̂i⟩)2|l,m⟩=0

soll berechnet werden

Nebenbemerkung: Die Drehimpulsquantisierung ist eine Folge der Nichtvertauschbarkeit der einzelnen Komponenten des Drehimpulses!