Eichtransformation der Lagrangefunktion

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Uneindeutigkeit der Lagrangefunktion

Die Lagarangefunktion wird duch die Lagrangegleichung nicht eindeutig festgelegt.

Betrachten wir beispielsweise ein geladenes Teilchen im elektrischen Feld:


(q1,q2,q3)=(x1,x2,x3)


e sei die Ladung

Bewegungsgleichung:


md2dt2(q1,q2,q3)=mq¯¨=eE¯(q¯,t)+eq¯˙×B¯(q¯,t)


Die Lorentzkraft ist typischerweise nicht konservativ

Die Darstellung des elektrischen und magnetischen Feldes erfolgt über die Potenziale:


E¯(q¯,t)=−∇Φ(q¯,t)−∂∂tA¯(q¯,t)B¯(q¯,t)=∇×A¯(q¯,t)


Dabei ist Φ Skalar und A ein Vektorpotenzial (MKSA- System)

Ziel: Suche eine Lagrangefunktion L(q,q˙,t)=T−V in der Art, dass ∂L∂qk−ddt∂L∂q˙k=0


Die Bewegungsgleichung

md2dt2(q1,q2,q3)=mq¯¨=eE¯(q¯,t)+eq¯˙×B¯(q¯,t)

ergeben.

Ansatz:


L(q,q˙,t)=m2q¯˙2+e(q¯˙A¯(q¯,t)−Φ(q¯,t))


Probe:


∂L∂q˙k=mq˙k+eAkddt∂L∂q˙k=mq¨k+eddtAk(q¯(t),t)ddt∂L∂q˙k=mq¨k+e(∂∂tAk+∑l∂Ak∂qlq˙l)ddt∂L∂q˙k=mq¨k+e(∂∂tAk+(q¯˙⋅∇)Ak)


Weiter:


∂L∂qk=e[∂∂qk(q¯˙⋅A¯)−∂∂qkΦ]


Somit:


0=∂L∂qk−ddt∂L∂q˙k=mq¨k+e(∂∂tAk+(q¯˙⋅∇)Ak)−e[∂∂qk(q¯˙⋅A¯)−∂∂qkΦ]=mq¨k+e(∂∂tAk+∂∂qkΦ)+e[−∂∂qk(q¯˙⋅A¯)+(q¯˙⋅∇)Ak]=mq¨k−eEk−[eq¯˙×(∇×A¯)]k=mq¨k−eEk−[eq¯˙×B¯]k


Somit erfüllt unser Ansatz die Bewegungsgleichungen

Eichtransformationen


Die Potenziale lassen sich umeichen mit Hilfe der Eichfunktion

χ:


A¯(q¯,t)→A¯ ´(q¯,t)=A¯(q¯,t)+∇χ(q¯,t)Φ(q¯,t)→Φ ´(q¯,t)=Φ(q¯,t)−∂∂tχ(q¯,t)


Durch Einsetzen sieht man schnell, dass sich die Felder nicht ändern:


E¯ ´(q¯,t)=−∇Φ ´(q¯,t)−∂∂tA¯ ´(q¯,t)=−∇(Φ(q¯,t)−∂∂tχ(q¯,t))−∂∂t(A¯(q¯,t)+∇χ(q¯,t))=E¯(q¯,t)B¯ ´(q¯,t)=∇×A¯ ´(q¯,t)=∇×(A¯(q¯,t)+∇χ(q¯,t))=B¯(q¯,t)


Betrachten wir die Lagrangefunktion, so ergibt sich:


L ´(q,q˙,t)=m2q¯˙2+e(q¯˙A¯ ´(q¯,t)−Φ ´(q¯,t))L ´(q,q˙,t)=m2q¯˙2+e(q¯˙A¯(q¯,t)+q¯˙⋅∇χ−Φ(q¯,t)+χ˙)L ´(q,q˙,t)=L+e(χ˙+q¯˙⋅∇χ) ´=L+ddt(eχ(q¯,t))


Einsetzen zeigt: L´ führt zu denselben Lagrangegleichungen wie L.

Die Eichtransformation
L(q,q˙,t)→L ´(q,q˙,t)=L+ddt(M(q¯,t))

mit einer beliebigen Eichfunktion M (skalar) läßt die Lagrangegleichungen invariant.

Allgemein gilt:

Sei M(q¯,t)=M(q1,...,qf,t)∈C3 beliebig und

L ´(q,q˙,t)=L+(M˙+q¯˙⋅∇M)=L+ddt(M(q¯,t))L ´(q,q˙,t)=L+∑k=1f∂M∂qkq˙k+∂M∂t


dann erfüllen die


{qk(t)}
das hamiltonsche Prinzip

Also:


δ∫L ´dt=0⇔δ∫Ldt=0


Das bedeutet, die Euler- Lagrangegleichungen sind invariant unter Transformationen der Art

L(q,q˙,t)→L ´(q,q˙,t)=L+ddt(M(q¯,t)) mit M(q¯,t)=M(q1,...,qf,t)∈C3

beliebig.

Beweis:

∂L ´∂qk−ddt∂L ´∂q˙k=∂L∂qk+∂∂qk(∑l=1f∂M∂qlq˙l+∂M∂t)−ddt∂L∂q˙k−ddt∂∂q˙k(∑l=1f∂M∂qlq˙l+∂M∂t)=∂L∂qk−ddt∂L∂q˙k+∂∂qkdMdt−ddt∂M∂qk=∂L∂qk−ddt∂L∂q˙k mit ∂∂q˙k(∑l=1f∂M∂qlq˙l+∂M∂t)=∂M∂qk


Einzige Nebenbedingung:


M(q¯,t)=M(q1,...,qf,t)∈C3

darf nicht explizit von

q˙k

abhängen.

Beispiel: eindimensionaler Oszi


L=T−V=m2q˙2−mω22q2


Beispielhafte Eichfunktion:

M(q):=mω22q2⇒dMdt=mω2qq˙


L ´=m2q˙2−mω22(q2−2qq˙)


Die Lagrangegleichungen lauten:

ddt∂L ´∂q˙=mq¨+mω2q˙∂L ´∂qk=−mω2q+mω2q˙


Es folgt als Bewegungsgleichung

q¨+ω2q=0