Elektrische Multipolentwicklung

Aus PhysikWiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

__SHOWFACTBOX__

Betrachtet man räumlich begrenzte Ladungsverteilungen ρ(r¯ ´) in der Nähe des Ursprungs r¯ ´=0, so kann man sich Gedanken machen um das asymptotische Verhalten von

Φ(r¯)=∫−∞∞14πε0ρ(r¯ ´)|r¯−r¯ ´|d3r ´

für r→∞ machen: Methode: Der Integrand wird als Taylorreihe entwickelt für r>>r ´:

G(r¯−r¯ ´)=∑l=0∞(−1)ll!(r¯ ´⋅∇r)lG(r¯)

Also

Φ(r¯)=∫−∞∞G(r¯−r¯ ´)ρ(r¯ ´)d3r ´=∑l=0∞(−1)ll!∫d3r ´(r¯ ´⋅∇r)lG(r¯)ρ(r¯ ´)

explizit für unsere Situation:

G(r¯)=14πε01|r¯|
1|r¯−r¯ ´|=(r2−2rr ´cos⁡ϑ+r ´2)−12=1r(1−2r ´rcos⁡ϑ+(r ´r)2)−12

Wobei ϑ den Winkel zwischen r¯ und r¯ ´ bezeichnet. Betrachtet man die hierbei entstehende Reihe, die für r ´<r und |cos⁡ϑ|=|ξ|<1 konvergiert, so definiert diese Reihe gerade die sogenannten Kugelfunktionen (Legendre-Polynome):

Pl(ξ)
(1−2r ´rξ+(r ´r)2)−12=∑l=0∞(r ´r)lPl(ξ)

Also sind die Legendre- Polynome gerade definiert über ihre Eigenschaft, als Entwicklungsfunktionen einer Potenzreihe (Taylorreihe) multipliziert mit (r ´r)l in jeweils l-ter Ordnung die Funktion

(1−2r ´rξ+(r ´r)2)−12

zu ergeben, die wiederum das r- Fache von

1|r¯−r¯ ´|=1r(1−2r ´rcos⁡ϑ+(r ´r)2)−12 ist.

Also:

Pl(ξ)=1l!(∂l∂tl(1−2tξ+t2)−12)

Insbesondere folgt damit:

Pl(ξ)=1l!(∂l∂tl(1−2tξ+t2)−12)

und speziell:

P0(ξ)=1P1(ξ)=ξ=cos⁡ϑP2(ξ)=12(3ξ2−1)==14(3cos2ϑ+1)

Also:

Φ(r¯)=14πε01r∫−∞∞d3r ´ρ(r¯ ´)∑l=0∞(r ´r)lPl(cos⁡ϑ)=14πε0∑l=0∞Qlr−l−1

Mit

Ql=∫−∞∞d3r ´r ´lρ(r¯ ´)Pl(cos⁡ϑ)

als 2l- Pol Die Multipolentwicklung (Entwicklung nach 2l- Polen) entspricht also einer Entwicklung ach Potenzen von r!!

Für stark lokalisierte Ladungsverteilungen (r´<<r) konvergiert die Reihe jedoch sehr schnell! Man erhält sehr schnelle Konvergenz für dezentrale Ladungsverteilungen, wenn man für

  • Punktladungen bis zum Monopol entwickelt
  • Ladungsverteilungen entlang einer Geraden bis zum Dipol entwickelt
  • Ladungsverteilungen in einem Rechteck bis zum Quadrupol entwickelt usw...
l=0
Φ(0)(r¯)=14πε0Q0r
Q0=∫−∞∞d3r ´ρ(r¯ ´)

sogenannter Monopol (die Gesamtladung). Der Monopol entspricht dem Feld einer Gesamtladung, die im Ursprung zentriert ist. Er fällt am langsamsten ab, die Ladungsverteilung wirkt in großer Entfernung wie eine Punktladung

l=1:

Φ(1)(r¯)=14πε0p¯⋅r¯r3
Q1=∫−∞∞d3r ´ρ(r¯ ´)r ´cos⁡ϑ=p¯⋅r¯r

Mit dem Dipolmoment

p¯:=∫−∞∞d3r ´ρ(r¯ ´)r¯ ´

Das Dipolpotenzial fällt also  ~1r2 ab. Das Dipolmoment ist der wichtigste Term für insgesamt neutrale Körper (Q0=0).

{{Beispiel:Beispiel: 2 Punktladungen q, -q beir¯1,r¯2:

ρ(r¯ ´)=q[δ(r¯ ´−r¯1)−δ(r¯ ´−r¯2)]Q0=0p¯=q(r¯1−r¯2)=q⋅a¯

Feld des Dipolpotenzials:

Ei=−14πε0∂∂xipk⋅xkr3=14πε0[3xi⋅pk⋅xkr5−δikpkr3]
⇒E(r¯)=14πε01r5[3(p¯⋅r¯)r¯−r2p¯]

Im Fernfeld für r gegen unendlich gilt damit:

⇒E(r¯) ~1r3}}

l=2:

Φ(2)(r¯)=14πε0Q2r3
Q2=12∫−∞∞d3r ´ρ(r¯ ´)r ´2(3cos2ϑ−1)=12∫−∞∞d3r ´ρ(r¯ ´)(3r¯ ´⋅r¯rr¯ ´⋅r¯r−r¯ ´2)r¯ ´⋅r¯rr¯ ´⋅r¯r=xk ´xkxl ´xlr2⇒Q2=12r2∫−∞∞d3r ´ρ(r¯ ´)(3xk ´xl ´−r¯ ´2δkl)

Dieses Objekt ist jedoch ein Tensor zweiter Stufe. Demnach erhalten wir einen Tenor zweiter Stufe als Quadrupolmoment:

Q2=12r2Qkl∫−∞∞d3r ´ρ(r¯ ´)(3xk ´xl ´−r¯ ´2δkl)=Qkl
Qkl

ist ein spurfreier und symmetrischer Tensor:

∑i=13Qii=∑i=13∫−∞∞d3r ´ρ(r¯ ´)(3xi ´xi ´−r¯ ´2δii)=∫−∞∞d3r ´ρ(r¯ ´)(3r¯ ´2−3r¯ ´2)=0

Dies ist jedoch gerade damit gleichbedeutend, dass eine orthogonale Transformation auf Diagonalform existiert:

Qkl=0fu¨rk≠lQ11+Q22+Q33=0

Somit existieren nur noch 2 unabhängige Komponenten des Quadrupolmoments. Der Rest ergibt sich durch die Spurfreiheit!

Für das Potenzial ergibt sich:

Φ(2)(r¯)=14πε012r5Qklxkxl=14πε0r¯⋅Q¯¯⋅r¯2r5 ~1r3
Beispiel: 2 entgegengesetzte Dipole:

__SHOWFACTBOX__