Symplektische Struktur des Phasenraums

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Da die kanonischen Transformationen generalisierte Koordinaten und Impulse ineinander transformieren können, sollten q und p nicht gegeneinander ausgezeichnet sein. Um diese Symmetrie des kanonischen Formalismus auszuzeichnen, wird eine neue Notation eingeführt.

Sei zunächst f= 1


x¯:=(qp)

ist Vektor im Phasenraum


H,x:=(∂H∂q∂H∂p)

ist Ableitungsvektor


J:=(01−10)

ist Metrik im Phasenraum (metrischer Tensor)

In diesem Fall lassen sich die kanonischen Gleichungen vereinfacht schreiben als:


x¯˙:=JH,x⇔−Jx¯˙=H,x⇔q˙=∂H∂p,p˙=−∂H∂q


Leicht läßt sich zeigen:


J2=−1J−1=JT=−J


Verallgemeinerung auf mehr Freiheitsgrade


x¯:=(q1...qfp1...pf)H¯x:=(∂H∂q1...∂H∂qf∂H∂p1...∂H∂pf)J:=(01f−1f0)


Die kanonischen Gleichungen lauten


x¯˙:=JHx⇔−Jx¯˙=Hx


Beispiel ist ein lineares autonomes System in einer Dimension, also der verallgemeinerte eindimensionale harmonische Oszillator:


x¯˙:=Ax¯=JHx


Diese Gleichung ist abzuleiten aus der Hamiltonfunktion:


H=12(aq2+2bqp+cp2)z.𝐁.a=ω02,b=0,c=1


⇒x¯˙:=(01−10)(∂H∂q∂H∂p)=bq+cp−aq−bp


Somit ergibt sich eine Einschränkung an die Matrix A:


A=(bc−a−b)tr(A)=0


Dies gilt für Hamiltonsche Systeme! (Einschränkung an die Dynamik im Phasenraum)

Kanonische Transformationen in kompakter Notation

Aus den 4 Äquivalenten Formen der Erzeugenden für kanonische Transformationen folgt:

M1(q¯,Q¯,t):⇒pj=∂M1∂qjPj=−∂M1∂Qj⇒∂pj∂Qk=∂2M1∂Qk∂qj=−∂Pk∂qj


M2(q¯,P¯,t)=M1(q¯,Q¯,t)−∑j=1f∂M1∂QjQj⇒pj=∂M2∂qjQj=∂M2∂Pj⇒∂pj∂Pk=∂2M2∂Pk∂qj=∂Qk∂qj


M3(p¯,Q¯,t)=M1(q¯,Q¯,t)−∑j=1f∂M1∂qjqj⇒qj=∂M3∂pjPj=−∂M3∂Qj⇒∂qj∂Qk=−∂2M3∂Qk∂pj=∂Pk∂pj


M4(p¯,P¯,t)=M1(q¯,Q¯,t)−∑j=1f(∂M1∂QjQj+∂M1∂qjqj)⇒qj=−∂M4∂pjQj=∂M1∂Pj=qj⇒∂qj∂Pk=∂2M1∂Pk∂pj=−∂Qk∂pj


Dabei sind:


x¯:=(q1...qfp1...pf)y¯:=(Q1...QfP1...Pf)


Mαβ=∂xα∂yβ(M−1)αβ:=∂yα∂xβα,β=1,...,2f


Beweis:

∑γ=12fMαγ(M−1)γβ=∑γ=12f∂xα∂yγ∂yγ∂xβ=∂xα∂xβ=δαβ


Damit läßt sich eine einheitliche Schreibweise finden für die Relationen aller Erzeugenden:


Mαβ=∑μ,ν=12fJαμJβν(M−1)μν


Beweis:

In Matrixform lautet diese Gleichung:


M=J(JM−1)T


Die linke Seite (M) lautet:


M=(∂q∂Q∂q∂P∂p∂Q∂p∂P)


Die rechte Seite lautet:


J(JM−1)T=(01−10)[(01−10)(∂Q∂q∂Q∂p∂P∂q∂P∂p)]T=(01−10)(∂P∂q∂P∂p−∂Q∂q−∂Q∂p)T=(01−10)((∂P∂q)T−(∂Q∂q)T(∂P∂p)T−(∂Q∂p)T)=((∂P∂p)T−(∂Q∂p)T−(∂P∂q)T(∂Q∂q)T)


Die Matrixform für die Erzeugenden läßt sich folgendermaßen äquivalent umformen:


M=J(JM−1)T⇒JM=−(JM−1)T=−(M−1)TJT⇒MTJM=−MT(M−1)TJT=−(M−1M)TJT=−JT=JMTJM=J


Dabei ist J der metrische Tensor und M die Matrix der 2. Ableitungen der Erzeugenden der kanonischen Transformation, also die Jacobi- Matrix für die Erzeugenden der kanonischen Trafo.

Dies bedeutet jedoch nichts anderes als: Die Metrik im Phasenraum ist invariant unter kanonischen Transformationen!

J definiert dabei eine Metrik über das verallgemeinerte schiefsymmetrische Skalarprodukt:


(x¯,y¯):=x¯TJy¯=∑i,k=12fxiJikyk


es handelt sich dabei um eine schiefsymmetrische, nichtentartete Bilinearform

Eigenschaften:

  1. Schiefsymmetrie:
(x¯,y¯)=−(y¯,x¯),
Beweis: 
(x¯,y¯)=x¯TJy¯=(y¯TJTx¯)T=−y¯TJx¯=−(y¯,x¯)
  1. bilinear:
(x¯,λ1y¯1+λ2y¯2)=λ1(x¯,y¯1)+λ2(x¯,y¯2)
  1. nichtentartet:
(x¯,y¯)=0∀y¯⇒x¯=0


Nebenbemerkung: Es gilt:

(x¯,x¯)=0∀x¯
Also Selbstorthogonalität

Beweis:

x¯TJx¯=(qp)(01−10)(qp)=qp−pq=0


Die Symplektische Struktur auf dem

R2f

ist von einer euklidischen Metrik grundsätzlich zu unterscheiden:


(x¯,y¯)Eu=∑ixiyi=x¯Tgy¯


Mit dem metrischen Tensor g, einer 2fx2f dimensionalen Einheitsmatrix!

Im Euklidischen gelten jedoch die Relationen:


(x¯,y¯)=(y¯,x¯)(x¯,x¯)≥0


Definition:

Die Menge der Matrizen M (kanonische Trafo) mit


MTJM=J

bildet die reelle symplektische Gruppe S über

R2f.


Dies ist die Symmetriegruppe der symplektischen Struktur.

Gruppeneigenschaften

1.

M1,M2∈S⇒M3=M1M2∈S


Beweis:

M3TJM3=(M1M2)TJ(M1M2)=M2TM1TJM1M2=M2TJM2=J


2. Assoziativität (matrixmultiplikation!)

3. Einselement Einheitsmatrix!

  1. Inverse:
M−1:=J−1MTJ

Beweis:

M−1M=(J−1MTJ)M=J−1(MTJM)=J−1J=1


Dabei gilt :

MT,J∈S

Beweis: Übungsaufgabe

  1. Weiter gilt:
det⁡M=1

Beweis: Übungsaufgabe oder Scheck, S. 102

Fazit:

Die Invarianz der kanonischen Gleichungen

x¯˙:=Ax¯=JH¯,x

kann durch di symplektische Struktur des Phasenraums beschrieben werden:


y˙i=∑k∂yi∂xkx˙k⇔y¯˙=M−1x¯˙=(J−1MTJ)JH¯,x∂H¯∂yi=∑k∂H¯∂xk∂xk∂yi⇔H¯,y=MTH¯,x⇒y¯˙=(J−1MTJ)J(MT)−1H¯,y=−J(−1)MT(MT)−1H¯,y=JH¯,y