Räumliche Isotropie

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Nebenbedingung: konservative Kräfte, keine Zwangsbedingungen

Es erfolgt eine Drehung des Bezugssystems um den Winkel

ϕ=s

um die z- Achse.

An einer Skizze kann man sich schnell verdeutlichen:


hs:r¯i=(xi,yi,zi)→r¯i ´=(x ´i,y ´i,z ´i)


Dabei gilt:


xi ´=xicos⁡s+yisin⁡syi ´=yicos⁡s−xisin⁡szi ´=zi


Rotationsinvarianz für die Drehung um die z- Achse:

Betrachten wir infinitesimale Transformationen (Drehungen um die z- Achse mit kleinen Winkeln

δϕ=δs


(xi ´yi ´zi ´)=(cos⁡ssin⁡s0−sin⁡scos⁡s0001)(xiyizi)≈[(100010001)+(0s0−s00000)](xiyizi)


Dabei gilt die rechtsseitige Taylorentwicklung für kleine Winkel. Wir schreiben


(0s0−s00000)=−sJ¯¯z Mit J¯¯z

als Erzeugende für infinitesimale Drehungen um die z- Achse.

Somit folgt:


(xi ´yi ´zi ´)=(xiyizi)+s(yi−xi0)=(xiyizi)+s(r¯i×e¯z)


Formal schreibt man:


r¯i ´=hs(r¯i)|s=0+s(ddshs(r¯i))s=0+O(s2) mit (ddshs(r¯i))s=0=r¯i×e¯z


Rotationsinvarianz der Lagrange-Funktion


T=12∑imir¯˙i2

ist rotationsinvariant, da nur von

|r¯˙i|

abhängig und die Drehmatrix ändert die Abstände nicht.

(Drehungen sind orthogonale Transformationen).


(∂L∂s)s=0=−(∂V∂s)s=0=−∑i=1N(∇ri ´V)(dr¯i ´ds)s=0=∑i=1NF¯i(r¯i×e¯z)


wegen:


(∇ri ´V)=−F¯i(dr¯i ´ds)s=0=(dhsds)s=0


Als zyklische Permutation gilt dann jedoch:


(∂L∂s)s=0=−(∂V∂s)s=0=e¯z⋅∑i(F¯i×r¯i)=−e¯z⋅∑i(r¯i×F¯i) Mit ∑i(r¯i×F¯i)

als gesamtes Drehmoment und der Tatsache, dass die z-Komponente des äußeren resultierenden Drehmomentes verschwindet:


−e¯z⋅∑i(r¯i×F¯i)=(∂L∂s)s=0=−(∂V∂s)s=0=0


Interpretation nach dem Noetherschen Theorem


I(r¯,r¯˙)=∑i=1N∂L∂r¯˙i⋅(dhsds)s=0=∑imir¯˙i⋅(r¯i×e¯z)=−e¯z∑i(r¯i×mir¯˙i)=−e¯zl¯=−lz


Also: Rotationsinvarianz entspricht Drehimpulserhaltung

Andere Betrachtungsweise

Wähle

q1=ϕ=s

als verallgemeinerte Koordinate

Trafo:

r¯i=r¯i(ϕ,q2,...,qf,t) mit ∂∂q1r¯i=(ddshs(r¯i))s=0=r¯i×e¯z


Für infinitesimale Drehung um z-Achse.

Invarianz Erhaltungssätze


∂L∂q1=0⇔ddt∂L∂q˙1=0
 äquivalent zum Erhaltungssatz
p1=∂L∂q˙1=const


Der Winkel ist also eine zyklische Variable.

Berechnet man den verallgemeinerten konjugierten Impuls zu

q1=ϕ=s,
so ergibt sich:


p1=∂L∂q˙1=∂L∂q˙1=12∑imi∂∂q˙1r¯˙i2=∑imir¯˙i∂∂q˙1r¯˙i=∑imir¯˙i(r¯i×e¯z)=−e¯z∑i(r¯i×mir¯˙i)=−lz wegen ∂∂q˙1r¯˙i=∂∂q1r¯i da r¯˙i=∑k∂r¯i∂qkq˙k+∂r¯i∂t


Es ergibt sich also wieder die z-Komponente des Drehimpulses als verallgemeinerter Impuls.

Nebenbedingung:

Wir betrachteten hier eine passive Drehung des Korodinatensystems. Die Aktive Drehung des Koordinatensystems ist jedoch äquivalent. Das bedeutet, wir drehen aktiv alle Massenpunkte mit

ϕ~=−ϕ.


Dazu gehören dann die konjugierten Impulse +lz

Beispiel:

N Teilchen mit einer inneren Paarwechselwirkung, die nur vom Abstand abhängt:


V(r¯1,...,r¯N)=V(r12,...,rij,...) mit rij=|r¯i−r¯j|


Rotationsinvarianz gegen Drehung um alle Achsen:


∂V(r12,...,rij,...)∂ϕ=∑i,j∂V∂rij⋅∂∂ϕrij=0

für beliebige Achsen, da


∂∂ϕrij=∂∂ϕ[(r¯i−r¯j)(r¯i−r¯j)]1/2=1rij(r¯i−r¯j)∂∂ϕ(r¯i−r¯j)=r¯i−r¯jrij(∂∂ϕr¯i−∂∂ϕr¯j)∂∂ϕr¯i=r¯i×e¯k⇒r¯i−r¯jrij(∂∂ϕr¯i−∂∂ϕr¯j)=r¯i−r¯jrij[(r¯i−r¯j)×e¯k]=1rije¯k[(r¯i−r¯j)×(r¯i−r¯j)]=0


Also ist der resultierende Drehimpuls

l¯

eine Erhaltungsgröße

Erzeugende der infinitesimalen Drehung um z-Achse

Die infinitesimale Drehung läßt sich schreiben als:


r¯i ´=hs(r¯i)=(1¯¯−sJ¯¯z)r¯i


Mit der Erzeugenden

J¯¯z=(0−10100000)


Bei einer Drehung um den endlichen Winkel

ϕ

gilt:


r¯i ´=R¯¯z(ϕ)r¯i=(cos⁡ϕsin⁡ϕ0−sin⁡ϕcos⁡ϕ0001)r¯i


Es gilt:


R¯¯z(ϕ)=exp⁡(−J¯¯zϕ)


mit Definition


exp⁡(−J¯¯zϕ):=1¯¯+(−J¯¯zϕ)+12(−J¯¯zϕ)2+...+1k!(−J¯¯zϕ)k


Beweis:

Für


M¯¯=(0−110)⇒M¯¯2=−1¯¯,M¯¯3=−M¯¯,M¯¯4=1¯¯M¯¯2n=(−1)n1¯¯M¯¯(2n+1)=(−1)nM¯¯


Mit Hilfe der Taylorreihen für Sinus und Cosinus folgt dann:


(cos⁡ϕsin⁡ϕ−sin⁡ϕcos⁡ϕ)=1¯¯∑n=0∞(−1)n(2n)!ϕ2n−M¯¯∑n=0∞(−1)n(2n+1)!ϕ2n+1=∑n=0∞1(2n)!M¯¯2nϕ2n−M¯¯∑n=0∞1(2n+1)!M¯¯2n+1ϕ2n+1=exp⁡(−M¯¯ϕ)


Analog behandelbar ist die Drehung um die x-Achse

Erzeugende:


J¯¯x=(00000−1010)


Hier gewinnen wir die Drehmatrix:


R¯¯x(ϕ)=exp⁡(−J¯¯xϕ)


Bei der y- Achse gilt:

Erzeugende:


J¯¯y=(001000−100)


Hier gewinnen wir die Drehmatrix:


R¯¯y(ϕ)=exp⁡(−J¯¯yϕ)


Beliebige Drehungen um den Winkel

ϕ

mit der Drehachse

n¯


R¯¯(ϕ¯)=exp⁡(−ϕ∑i=13niJ¯¯i) mit ϕ¯:=ϕn¯


Die Drehmatrizen

R¯¯(ϕ¯)=exp⁡(−ϕ∑i=13niJ¯¯i)

bilden nun eine 3- parametrige

(ϕ1,ϕ2,ϕ3),
stetige, diffbare
(inϕ)
und orthogonale Gruppe.

Eine solche Gruppe heißt Lie- Gruppe oder kontinuierliche Gruppe in drei reellen Dimensionen

SO(3)


SO(3)={R¯¯:R3→R3linear|R¯¯tR¯¯=1|det⁡R¯¯=1} Mit R¯¯tR¯¯=1

als Orthogonalitätsbedingung, so dass

|r¯ ´|=|r¯| und det⁡R¯¯=1

zum Ausschluß von Raumspiegelungen.

Die Erzeugenden

J¯¯i

der Drehgruppe bilden eine Lie- Algebra mit dem Lieschen Produkt (=Kommutator):


[J¯¯i,J¯¯k]=J¯¯iJ¯¯k−J¯¯kJ¯¯i

i,k=x,y,z

Dabei vertauschen 2 Drehungen um unterschiedliche Achsen nicht. Das bedeutet, das Ergebnis hängt von der Reihenfolge ab!:


[J¯¯x,J¯¯y]=J¯¯z[J¯¯z,J¯¯x]=J¯¯y[J¯¯y,J¯¯z]=J¯¯x
→ zyklische Permutation des Lieschen Produktes